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Theologie

Die folgenden Hinweise zur Thelemischen Theologie basieren in erster Linie auf den Schriften von Aleister Crowley. Diese Hinweise sind nicht als Auslegung oder Kommentar zum Buch des Gesetzes außerhalb der Grenzen der Schriften des Propheten gedacht, noch sollen sie eine definitive Aussage zum Thelemischen Glauben darstellen.

Die Theologie von Thelema postuliert, dass das ganze manifestierte Sein von der Interaktion zweier kosmischer Prinzipien verursacht wird: dem unendlich erweiterten, alles durchdringenden Raum-Zeit-Kontinuum; und dem atomaren, individuell ausgedrückten Prinzip des Lebens und der Weisheit. Das Zusammenspiel dieser Prinzipien verursacht das Prinzip des Bewusstseins, welches das Sein bestimmt. Im Buch des Gesetzes werden die göttlichen Prinzipien von einer Dreieinigkeit altägyptischer Gottheiten personifiziert: Nuit, die Göttin des Unendlichen Raumes; Hadit, die Geflügelte Schlange des Lichts; und Ra-Hoor-Khuit (Horus), der Solare Falkenköpfige Herr des Kosmos.

Das Thelemische theologische System nutzt die Gottheiten verschiedener Kulturen und Religionen als Personifikationen bestimmter göttlicher, archetypischer und kosmischer Kräfte. Die Thelemische Lehre besagt, dass all die verschiedenen Religionen der Menschheit auf universellen Wahrheiten basieren; so ist das Studium der vergleichenden Religionswissenschaft ein wichtiges Studienfach für viele Thelemiten.

In Bezug auf Konzepte der individuellen Seele, folgt Thelema der traditionellen Hermetik in der Lehre, dass jeder Mensch eine Seele oder „Lichtkörper“ besitzt, der in „Schichten“ oder „Mänteln“ angeordnet ist, die den physischen Leib umgeben. Vom Einzelnen wird gleichfalls angenommen, dass er einen eigenen persönlichen „Augoeides“ oder „Heiligen Schutzengel“ besitzt, der gleichermaßen als das „Höhere Selbst“ und als ein separates, empfindungsfähiges, göttliches Wesen betrachtet werden kann. In Bezug auf Vorstellungen vom Leben nach dem Tode, gilt das Leben selbst als ein Kontinuum, in dem der Tod ein fester Bestandteil des Ganzen ist. Das sterbliche Leben stirbt, damit das sterbliche Leben fortgesetzt werden kann. Der Augoeides jedoch ist unsterblich und unterliegt nicht Leben oder Tod.

Parallel zur buddhistischen Lehre gilt der Lichtkörper nach dem Tod des Leibes als der Seelenwanderung oder Wiedergeburt unterworfen. Für diejenigen die ihr Leben dem spirituellen Fortschritt gewidmet haben, gilt allgemein, dass der Lichtkörper durch Zyklen der Seelenwanderung hinweg Weisheit, Bewusstsein und spirituelle Kraft weiterentwickelt, bis zu dem Punkt, wo sein Schicksal nach dem Tod letztlich durch den Willen des Einzelnen bestimmt werden kann.

Thelema beinhaltet die Idee der zyklischen Entwicklung sowohl des Kulturellen als auch des Persönlichen Bewusstseins. Geschichte gilt als in eine Reihe von „Äonen“ aufgeteilt, die jede ihre eigene vorherrschende Vorstellung des Göttlichen und ihre eigene „Formel“ der Erlösung und des Fortschrittes besitzen. Das gegenwärtige Äon wird das Äon des Horus genannt. Das vorhergehende Äon war das des Osiris, und vor diesem das Äon der Isis. Das neusteinzeitliche Äon der Isis gilt als von der Vorstellung des Mütterlichen Göttlichen beherrscht, und seine Formel schloss die Hingabe an Mutter Erde ein, im Gegenzug für die Nahrung und das Obdach, welche sie bereitstellte. Das klassische/mittelalterliche Äon des Osiris gilt als von der Vorstellung des Väterlich Göttlichen beherrscht, und seine Formel war die der Selbstaufopferung und Unterwerfung unter den Vater-Gott. Das aktuelle Äon des Horus gilt als vom Grundsatz des Kindes beherrscht, des souveränen Einzelnen, und seine Formel ist die des Erwachsens in Bewusstsein und Liebe zur Selbstverwirklichung.

Nach der Thelemischen Lehre ist der Ausdruck des göttlichen Gesetzes im Äon des Horus „Tu was Du willst“. Dieses „Gesetz von Thelema“, wie es genannt wird, soll nicht als Freischein interpretiert werden, jeder flüchtigen Laune nachzugeben, sondern stattdessen als der göttliche Auftrag seinen eigenen Wahren Willen oder wahren Lebenszweck zu entdecken und ihn zu verwirklichen; auf dass andere das gleiche auf ihre eigene einzigartige Weise tun. Die „Akzeptanz“ des Gesetzes von Thelema ist das, was einen Thelemiten ausmacht, und die Entdeckung und Verwirklichung des Wahren Willens ist das grundlegende Anliegen aller Thelemiten. Die „Kenntnis und Konversation mit dem Heiligen Schutzengel“ zu erlangen gilt hier als integraler Bestandteil dieses Prozesses. Die Methoden und Praktiken, die in diesem Prozess eingesetzt werden, sind zahlreich und vielfältig, sie werden unter dem allgemeinen Begriff „Magick“ zusammengeschlossen.

Nicht jeder Thelemit nutzt alle Praktiken, die zur Verfügung stehen; es gibt viel Raum für jeden einzelnen Ausübenden die Praktiken zu wählen, die für seine oder ihre individuellen Bedürfnisse angemessen sind. Einige dieser Methoden sind dieselben oder ähnlich den Praktiken, die von vielen der großen Religionen der Vergangenheit und Gegenwart befürwortet wurden; so wie Gebet, Meditation, Studium religiöser Texte (jene von Thelema und auch anderer Religionen), Gesang, symbolisches und initiatorisches Ritual, Andachtsübungen, Selbstdisziplin usw. Allerdings wurden einige unserer Praktiken traditionell dem zugeordnet, was allgemein als „Okkultismus“ bekannt ist. Das heißt, Astrologie, Divination, Numerologie, Yoga, Tantrische Alchemie und der Diskurs mit „Engeln“ oder „Geistern“ werden allesamt von Thelemiten als potentiell wirksame Mittel angenommen, um spirituelle Einsicht in das Wesen des eigenen Seins und den eigenen Platz im Universum zu erlangen; und zur Erfüllung solcher Erkenntnisse durch harmonische, evolutionäre Werke.

Thelema betrachtet jede Handlung, die nicht auf die Entdeckung und Verwirklichung des Wahren Willen gerichtet ist, als „schwarze Magie“. Dies beinhaltet die Einmischung in die rechtmäßige Ausübung des Rechts eines anderen, seinen eigenen Wahren Willen zu entdecken und zu verwirklichen. Die Thelemische Lehre besagt, dass die Disharmonie und das Ungleichgewicht, das durch solches Handeln entsteht, eine ausgleichende Reaktion des Universums hervorruft, die das Gleichgewicht wieder herstellt; eine Lehre, ähnlich der östlichen Vorstellung vom „Karma“. Thelema hat keine direkte Parallele zum jüdisch-christlichen Konzept des Teufels oder Satans; jedoch wird eine Pseudo-Personifizierung von Verwirrung, Ablenkung, Illusion und egoistischer Unwissenheit mit dem Namen „Choronzon“ bezeichnet.

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