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Die Geschichte des O.T.O. » Ordo Templi Orientis

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Die Geschichte des O.T.O.

von Frater Sabazius X° et Frater AMT IX°

 

Der O.T.O. wurde offiziell zwar erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts e.v. gegründet, doch erblickten mit ihm die verschiedenen Ströme der esoterischen Weisheit und Erkenntnis, die während der dunklen Zeitalter von politischer und religiöser Intoleranz von einander getrennt und in den Untergrund getrieben worden waren, erneut das Licht der Welt und wurden wieder zusammengeführt.

Die Wurzeln des O.T.O. liegen in der Tradition der Freimaurerei, des Rosenkreuzertums und der illuministischen Bewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts, der Kreuz- und Tempelritter des Mittelalters, sowie der frühen christlichen Gnosis und der heidnischen Mysterienschulen. Die Symbolik des Ordens birgt die wiedervereinigten geheimen Überlieferungen des Ostens und Westens in sich, und die harmonische Eingliederung dieser Überlieferungen hat ihn den wahren Wert der Offenbarung vom Buch des Gesetzes durch Aleister Crowley erkennen lassen.

Carl Kellner

Carl Kellner

Carl Kellner

Der geistige Vater des Ordo Templi Orientis war der wohlhabende österreichische Chemiker und Papierfabrikant Carl Kellner (Renatus, 1. Sept. 1851 – 7. Juni 1905). Kellner studierte die Freimaurerei, das Rosenkreuzertum, sowie die östliche Mystik und unternahm ausgedehnte Reisen durch Europa, Amerika und Vorderasien. Seinen eigenen Aussagen nach war er während seiner Reisen mit drei Adepten (einem Sufi, Soliman ben Aifa, und zwei hinduistischen Tantrikern, Bhima Sena Pratapa aus Lahore und Sri Mahatma Agamya Paramahamsa), sowie einer Organisation namens Hermetic Brotherhood of Light (Hermetische Bruderschaft des Lichts) in Berührung gekommen.

1885 begegnete Kellner Dr. Franz Hartmann (1838 – 1912), einem Gelehrten auf dem Gebiet der Theosophie und des Rosenkreuzertums. Er und Hartmann arbeiteten später bei der Entwicklung der „Ligno-Sulphit“ Inhalationstherapie bei Tuberkulose zusammen, die in Hartmann’s Sanatorium in der Nähe Salzburgs als Basistherapie eingesetzt wurde. Im Verlauf seiner Studien meinte Kellner, einen „Schlüssel“ entdeckt zu haben, der die unverhüllte Erklärung der gesamten komplexen Symbolik der Freimaurerei lieferte und der, wie Kellner glaubte, die Mysterien der Natur enthüllte. In Kellner begann sich der sehnliche Wunsch zu regen, eine Academia Masonica zu gründen, die alle Freimaurer in die Lage versetzen würde, sich mit sämtlichen existierenden Graden und Systemen der Freimaurerei vertraut zu machen.

Academia Masonica

Franz Hartmann

Franz Hartmann

1895 begann Kellner, seine Idee der Gründung einer Academia Masonica mit seinem Kollegen Theodor Reuss (Merlin oder Peregrinus, 28. Juni 1855 – 28 Okt. 1923) zu diskutieren. Im Verlauf dieser Diskussionen entschied Kellner, dass die Academia Masonica den Titel „Orientalischer Templer-Orden“ tragen sollte. Der okkulte innere Kreis dieses Ordens (des eigentlichen O.T.O.) sollte in seinem Aufbau an die höchsten Grade der freimaurerischen Memphis und Misraim Riten angelehnt werden und die esoterischen rosenkreuzerischen Lehren der Hermetic Brotherhood of Light (Hermetischen Bruderschaft des Lichts), sowie Kellners „Schlüssel“ zur freimaurerischen Symbolik vermitteln. Sowohl Männer als auch Frauen sollten zu allen Stufen dieses Ordens Zugang erhalten, wobei jedoch der Besitz der verschiedenen Grade und Hochgrade der Freimaurerei eine Voraussetzung für die Aufnahme in den inneren Kreis des O.T.O. darstellen sollte. Unglücklicherweise konnten Frauen aufgrund der Regeln der etablierten Großlogen, die der regulären Freimaurerei vorstanden, nicht zu Freimaurern gemacht werden, aufgrund welcher Tatsache sie von vornherein von der Mitgliedschaft im Orientalischen Templer-Orden ausgeschlossen gewesen wären. Dies mag einer der Gründe dafür gewesen sein, weshalb Kellner und seine Weggefährten beschlossen, Patente für viele Riten oder Systeme der Freimaurerei zu erlangen, um auf deren Grundlage das System im Hinblick auf die Aufnahme von Frauen reformieren zu können.

Die Diskussionen zwischen Reuss und Kellner führten zu dieser Zeit zu keinem nennenswerten Ergebnis, da Reuss überwiegend damit beschäftigt war, zusammen mit seinem Dresdner Kollegen Leopold Engel (1858-1931) den Illuminaten-Orden wiederzubeleben. Kellner stand dem wiederbelebten Illuminaten-Orden wie auch Engel selbst ablehnend gegenüber. Von Reuss wissen wir, dass Kellner nach seiner endgültigen Trennung von Engel im Juni 1902 erneut mit ihm in Verbindung trat, und die beiden beschlossen, mit der Stiftung des Orientalischen Templer-Ordens fortzufahren, wobei sie sich zunächst darum bemühten, die Autorisation zur Bearbeitung verschiedener Riten der Hochgrad-Freimaurerei zu erhalten.

Das Fundament der Freimaurerei

Theodor Reuss

Theodor Reuss

Theodor Reuss war nicht nur das Oberhaupt seines wiederbelebten Bayrischen Illuminaten-Ordens, sondern auch Großmeister des freimaurerischen Swedenborg-Ritus in Deutschland (Charter von W. Wynn Westcott vom 26. Juli 1901), Sonderinspektor des Martinisten-Ordens für Deutschland (Charter von Gérard Encausse vom 24. Juni 1901) und Magus des Hohen Rates in Germania der Societas Rosicruciana in Anglia (briefliche Vollmacht von W. Wynn Westcott vom 24. Feb. 1902). Mit Kellners Unterstützung bewarb sich Reuss bei dem englischen Gelehrten und Freimaurer John Yarker (1833-1913) um den Erwerb von Chartern zur Bearbeitung von drei Systemen der Hochgrad-Freimaurerei; es handelte sich hierbei um den Alten und Primitiven Ritus von Memphis des 97°, den Alten Orientalischen Ritus von Misraim des 90°, sowie den Alten und Angenommenen Schottischen Ritus des 33° (Rat von Cernau in New York, 1807).

Reuss erhielt von Yarker ein schriftliches Patent als Souveräner General-Großinspektor 33° des Schottischen Ritus von Cernau, datiert auf den 24. Sept. 1902. Einer veröffentlichten Abschrift zufolge stellte Yarker am selben Tage ein Patent zugunsten von Reuss, Franz Hartmann und Henry Klein aus, das es ihnen gestattete, ein Souveränes Sanktuarium 33° – 95° des Schottischen, des Memphis und des Misraim Ritus zu begründen. Yarker stellte am 1. Juli 1904 eine zweite Charter aus, welche Reuss Autorisation zur Bearbeitung besagter Grade bestätigte; und Reuss wiederum veröffentlichte eine Abschrift einer weiteren Erneuerungscharter vom 24. Juni 1905. Reuss begann 1902, das freimaurerische Journal Die Oriflamme zu publizieren.

John Yarker

John Yarker

Diese Riten wurden zusammen mit dem Swedenborg-Ritus als feste Bestandteile in die Gesamtstruktur des Ordens integriert. Der Swedenborg-Ritus enthielt eine Fassung der Johannis-Grade, und der Schottische Ritus von Cernau, sowie die Riten von Memphis und Misraim boten eine fast vollständige Auswahl aller vorhandenen Hochgrade, die bearbeitet werden konnten. Alle zusammen stellten dem Orden ein vollständiges freimaurerisches Initiationssystem zur Verfügung. Mit der Eingliederung dieser Riten war der Orden imstande, als ein vollkommen unabhängiges freimaurerisches System zu operieren. 1903 arbeiteten Reuss und Kellner gemeinsam ein kurzes Manifest aus, das im folgenden Jahr in der Oriflamme veröffentlicht wurde. Kellner verstarb am 7. Juni 1905, und Reuss übernahm die alleinige Leitung des Ordens. Mit Unterstützung der Mitbegründer Franz Hartmann und Heinrich Klein verfaßte Reuss 1906 eine Konstitution für den Orden.

Der O.T.O. unter Reuss

Rudolph Steiner (1861 – 1925), der zu jener Zeit Generalsekretär des deutschen Zweigs der Theosophischen Gesellschaft war, erhielt 1906 eine Charter als stellvertretender Großmeister eines untergeordneten O.T.O./Memphis/Misraim Kapitels und Großkonzils namens „Mystica Aeterna“ in Berlin. Steiner befasste sich ab 1912 mit der Gründung seiner Anthroposophischen Gesellschaft und brach seinen Kontakt mit Reuss 1914 ab.

Am 24. Juni 1908 organisierte Dr. Gérard Encausse (Papus, 1865 – 1916) in Paris eine „Internationale Konferenz über Freimaurerei und Spiritismus“, an der Reuss teilnahm. Im Verlauf dieser Konferenz erhielt Encausse von Reuss unentgeltlich das Stiftungspatent für einen „Höchsten General Groß-Rat der Vereinigten Riten der Alten und Primitiven Freimaurerei für den Grand Orient in Frankreich, sowie seiner Tochtergesellschaften in Paris“. Encausse hatte im vorangegangenen Jahr gemeinsam mit Jean Bricaud (1881 – 1934) und Louis-Sophrone Fugairon (geb. 1846) l’Église Catholique Gnostique, die Gnostisch Katholische Kirche, ins Leben gerufen, und zwar in Folge der Spaltung der neo-Albigensischen Kirche, die 1890 von Jules Doinel (1842-1903) in Paris gegründet worden war. Man geht allgemein davon aus, dass Reuss während dieser Konferenz seine Bischofsweihe und Bevollmächtigung als Primat für l’Église Catholique Gnostique von Encausse und Bricaud erhalten hat. In welchem Ausmaß sich Encausse darüber hinaus für den O.T.O. engagiert hat, ist unklar.

Ebenfalls im Verlaufe dieser Konferenz erhielt Dr. Arnold Krumm-Heller (Huiracocha, 1879-1949) eine Charter als Reuss offizieller Stellvertreter für Lateinamerika. Krumm-Heller gründete seinen eigenen Orden namens Fraternitas Rosicruciana Antiqua (F.R.A.). Nach Aussage seines Sohns Parsival hat er weder jemals O.T.O. Logen gestiftet, noch Mitglieder in den O.T.O. initiiert und auch keinerlei O.T.O. Offiziere ernannt.

 

>> Teil 2 der Geschichte des O.T.O.

© Ordo Templi Orientis, Fr. Sabazius und Frater AMT.
© der deutschen Übersetzung: Fr. Aion, 2000 ev

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