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De Lege Libellum, IV » Ordo Templi Orientis

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De Lege Libellum, IV

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LIBER CL
DE LEGE LIBELLUM
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IV
ÜBER DAS LICHT

Ich bitte euch, habt Geduld mit mir bei dem, was ich über das Licht schreiben werde; denn hier besteht eine ständige, wachsende Schwierigkeit im Gebrauch der Worte. Zudem werde ich selbst fortwährend durch die Erhabenheit des Gegenstandes fortgerissen und überwältigt, so dass die einfache Sprache vielleicht in Lyrik dahinströmt, während ich mich doch friedlich mit didaktischen Ausdrücken abmühen möchte. Meine einzige Hoffnung ist, dass ihr vermöge der Sympathie eurer Intuition versteht, wie Liebende sich in einer Sprache unterhalten können, die anderen ebenso unverständlich wie albern, lächerlich und dumm erscheint; oder wie in jenem anderen Rausch, den der Aether erzeugt, die Teilnehmer sich mit unendlichem Witz oder mit Weisheit, je nachdem die Stimmung es ihnen eingibt, sich durch ein Wort oder eine Geste verständigen, da sie durch die Feinheit des Narkotikums zu unmittelbarem Verständnis geführt werden. Möge auch ich, der ich von der Liebe zu diesem Lichte entflammt und vom ätherischen Weine dieses Lichtes berauscht bin, nicht so sehr mit eurem Verstand und eurer Intelligenz verbunden sein, als mit dem in euch verborgenen Prinzip, das bereit ist, mit mir daran teilzunehmen. Ebenso können Mann und Frau vor Liebe außer sich sein, ohne dass ein Wort zwischen ihnen gesprochen wird, sozusagen durch die Induktion ihrer Seelen. Und eure Erkenntnis wird von der Reife für das Verständnis meiner Wahrheit abhängen. Wenn übrigens das Licht in euch bereit ist, hervorzubrechen, dann wird das Licht diese dunklen Worte euch in der Sprache des Lichtes deuten, so wie eine richtig gespannte Saite ihrem besonderen Tone entsprechend schwingt, wenn dieser auf einer anderen Saite angeschlagen wird. Lest daher nicht nur mit dem Auge und dem Gehirn, sondern mit dem Rhythmus jenes Lebens, das ihr durch euren Willen zur Liebe erlangt habt, und das bis zum Tanzrhythmus durch diese Worte beschleunigt wird, welche die Bewegungen des Stabes meines Willens der Liebe darstellen und so euer Leben zum Lichte entzünden.

[In dieser Stimmung unterbrach ich mich beim Schreiben dieses kleinen Buches und habe zwei Tage und zwei Nächte lang schlaflos Betrachtungen angestellt und leidenschaftlich mit meinem Geiste gerungen, damit ich nicht etwa durch Hast oder Unachtsamkeit euch gegenüber etwas versäumen möchte.]

Mit der Ausübung von Wille und Liebe sind Bewegung und Wechsel verbunden, aber im Leben wird eine Einheit erlangt, die sich nun im Puls oder in der Phase bewegt und der Musik gleich ist. Doch werdet ihr bereits in der Erlangung dieses Lebens erfahren haben, dass dessen Quintessenz reines Licht ist, eine formlose Ekstase und ohne Grenze oder Kennzeichen. In diesem Lichte hat nichts ein Dasein, denn es ist gleichartig; und daher haben es die Menschen Schweigen, Finsternis und Nichts genannt. Aber darin, wie in jeder anderen Bemühung, es zu benennen, liegt die Wurzel alles Falschen und allen Missverständnisses, da alle Worte eine Dualität enthalten. Wenngleich ich es daher Licht nenne, so ist es doch nicht Licht, noch die Abwesenheit von Licht. Viele haben auch versucht, es durch Gegensätze zu beschreiben, da es von einigen Naturen durch erhabenes Verneinen aller Rede erreicht werden kann. Die Menschen haben sich auch bemüht, es durch Bilder und Symbole auszudrücken; aber allezeit vergebens. Dennoch sind diejenigen, die reif waren, die Natur dieses Lichtes zu begreifen, durch Sympathie zur Erkenntnis dahin gekommen; und so soll es mit euch sein, die ihr dieses kleine Buch lest und es liebt. Wisst jedoch, dass die beste Belehrung hierfür, und das für das Aeon des Horus am besten geeignete Wort, im Buche des Gesetzes geschrieben steht. Immerhin ist auch das Buch Ararita sehr wertvoll im Werke des Lichtes, wie das Trigrammaton in dem des Willens, das Cordis Cincti Serpente für den Weg der Liebe, und Liberi für den des Lebens. Alle diese Bücher beziehen sich auch auf diese vier Gaben, denn schließlich werdet ihr sehen, dass jedes einzige untrennbar vom anderen ist.

Ich möchte für euch noch über die Zahl 93, die Zahl von THELEMA schreiben. Denn es ist nicht allein die Zahl seiner Ausdeutung als AGAPE, sondern auch die eines euch unbekannten Wortes, wenn ihr nicht Neophyten unseres Heiligen Ordens des A∴A∴ seid, welches Wort in sich das Entstehen der Sprache aus dem Schweigen und am Ende die Rückkehr dorthin darstellt. Nun ist diese Zahl 93 dreimal 31, welche Zahl im Hebräischen LA bedeutet, und das heißt NICHT, und auf diese Weise leugnet es die Ausdehnung auf die drei Dimensionen des Raumes. Ferner möchte ich, dass ihr so intensiv wie möglich über den Namen NU, der 56 ist, meditiert, welche Zahl wir, wie uns gesagt wird, zu dividieren, zu addieren, zu multiplizieren und zu erkennen haben. Durch Division kommt 0,12 heraus, als stünde da geschrieben Nuith! Hadith! Ra-Hoor-Khuit! vor der Dyade. Durch Addition entsteht Elf, die Zahl der Wahren Magie; und durch Multiplikation Dreihundert, die Zahl des heiligen Geistes oder des Feuers, der Buchstabe Schin, in dem alle Dinge vollkommen verzehrt werden. Mit diesen Erwägungen und einer vollen Erkenntnis der Mysterien der Zahlen 666 und 418 werdet ihr für diesen Pfad des fernen Fluges mächtig ausgerüstet sein. Aber ihr solltet auch alle Zahlen in ihren Maßen betrachten. Denn es gibt keine bessere Lösung als die durch die reine Mathematik, da hierin bereits grobe Ideen verfeinert werden, und alles angeordnet und bereit ist für die Alchemie des Großen Werkes.

Ich habe euch bereits davon geschrieben, wie im Willen zur Liebe das Licht als der geheime Teil des Lebens aufsteigt. Und in den ersten, den kleinen Lieben, ist das erreichte Licht noch persönlich; später wird es unpersönlich und universal. Dann ist der Wille, wenn ich so sagen darf, an seinem magnetischen Pole angelangt, von wo aus die Kraftlinien überall und nirgendwo hindeuten; und die Liebe ist nicht länger eine Handlung, sondern ein Zustand.

Diese Eigenschaften sind ein Teil des universalen Lebens geworden, welches, mit der Freude am Willen und der darin inbegriffenen Liebe bis in die Unendlichkeit weitergeht. Diese Dinge haben daher, wenn sie vollendet sind, ihren Namen und ihre Natur verloren. Und doch waren sie die Substanz des Lebens, sein Vater und seine Mutter; und ohne ihr Wirken und ihren Antrieb hört der Puls des Lebens allmählich auf zu schlagen. Da aber die unendliche Energie des gesamten Universums darin enthalten ist, was ist dann anderes möglich, als dass es zu seiner ersten Absicht zurückkehrt und sich nach und nach in jenes Licht auflöst, das seine geheimste und feinste Natur ist? Denn dieses Universum ist in Wahrheit gleich Null, denn es ist eine Gleichung, deren Summe Null ist. Der Beweis dafür liegt darin, dass, wenn dem nicht so wäre, es sich nicht im Gleichgewicht befände, und es wäre etwas aus Nichts entstanden, was absurd ist. Dieses Licht oder Nichts ist also die Resultante oder die Summe davon in reiner Vollendung; und alle anderen Zustände, seien sie positiv oder negativ, sind unvollkommen, da sie ihre Gegensätze nicht einschließen.

Gleichwohl möchte ich, dass ihr bedenkt, dass diese Gleichheit oder Identität des Ausgleichs zwischen allen Dingen und KEINEM Ding schlechthin absolut ist, so dass ihr ebenso wenig bei dem einen verbleibt, wie ihr es bei dem anderen tatet. Und ihr werdet dieses größte Mysterium sehr leicht im Lichte jener anderen Erfahrungen begreifen, derer ihr euch erfreut haben werdet, in denen Bewegung und Ruhe, Wechsel und Stabilität und viele andere tiefe Gegensätze durch die Kraft eurer heiligen Meditation zur Erkenntnis ihrer Identität gekommen und erlöst worden sind.

Das Größte, was das Gesetz gibt, entspringt also aus der vollkommensten Anwendung der drei kleineren Gaben. Und so gründlich müsst ihr euch bei diesem Werke mühen, dass ihr imstande seid, beliebig von einer Seite der Gleichung zur anderen überzugehen; ja, sogar das Ganze sofort und für immer zu begreifen. So, soll dann eure zeit- und raumgebundene Seele ihrer Natur gemäß in ihrer Bahn wandern und das Gesetz denjenigen enthüllen, die in Ketten gehen, denn dies ist euer besonderes Amt.

Hier ist nun das Mysterium vom Ursprunge des Bösen. Erstens verstehen wir unter dem Bösen das, was im Gegensatz zu unserem eigenen Willen steht; daher ist es eine relative und nicht eine absolute Bezeichnung. Denn was das größte Übel für den einen ist, ist das größte Gut für den anderen, gerade wie die Härte des Holzes, das den Holzfäller müde macht, dem zur Sicherheit wird, der sich in einem aus diesem Holze gebauten Schiffe aufs Meer wagt. Und dies ist eine Wahrheit, die leicht zu begreifen ist, weil sie oberflächlich und dem gemeinen Verstande verständlich ist.

Alles Böse ist daher relativ oder scheinbar oder illusorisch. Um aber zur Philosophie zurückzukehren, möchte ich wiederholen, dass ihre Wurzel immer in der Dualität liegt. Deshalb besteht das Entkommen aus diesem scheinbaren Bösen darin, dass man die Einheit sucht, was ihr so tun sollt, wie ich es euch bereits gezeigt habe. Nun aber will ich das erwähnen, was im Buch des Gesetzes darüber geschrieben steht.

Da der erste Schritt der Wille ist, so erscheint in dieser Definition das Böse als „alles, was die Ausführung dieses Willens hindert“. Deshalb steht geschrieben: „Das Wort der Sünde ist Beschränkung.“ Es sollte auch beachtet werden, dass im Buch der 30 Aethyre das Böse als Choronzon erscheint, dessen Zahl 333 ist, was im Griechischen Unvermögen und Trägheit bedeutet; und die Natur von Choronzon ist Zerstreuung und Zusammenhanglosigkeit.

Schließlich erscheint auf dem Wege der Liebe das Böse als „alles das, was dazu neigt, die Vereinigung zweier Dinge zu verhindern“. So sagt das Buch des Gesetzes mit dem Bilde der Stimme Nuits: „Nimm deine Fülle und deinen Willen der Liebe, wie du willst, wann, wo, und mit wem du willst! Aber immer zu mir.“ Denn jeder Liebesakt muß „unter Willen“ stehen, das heißt, sich in Übereinstimmung mit dem Wahren Willen befinden, was nicht darin besteht, dass man sich mit einzelnen und vergänglichen Dingen begnügt, sondern fest bis ans Ende weitergeht. So sind auch im Buche der 30 Aethyre die Schwarzen Brüder diejenigen, die sich abschließen, weil sie sich nicht durch Liebe auflösen wollen. Drittens erscheint im Wege des Lebens das Böse in einer feineren Form als „alles das, was nicht unpersönlich und universal ist“. Hier belehrt uns Das Buch des Gesetzes durch die Stimme von Hadit: „In der Sphäre bin ich überall der Mittelpunkt.“ Und wiederum: „Ich bin das Leben und der Geber des Lebens […] ‘kommet zu mir’ ist ein törichtes Wort, denn ich bin es, der geht. […]. Denn ich bin vollkommen, da ich nicht bin.“ Denn dieses Leben ist an jedem Ort und zu jeder Zeit zugleich, so dass in ihm diese Beschränkungen nicht mehr bestehen. Und ihr werdet es selbst gesehen haben, dass in jedem Akte der Liebe Zeit und Raum verschwinden mit der Erschaffung des Lebens durch ihre Kraft, wie es auch mit der Persönlichkeit geschieht. Zum dritten Male, also in noch feinerem Sinne, „das Wort der Sünde ist Beschränkung.“ Schließlich ist auf dem Wege des Lichtes dieser selbe kurze Ausspruch der Schlüssel für den Begriff des Bösen. Doch liegt hier die Beschränkung in der Unfähigkeit, die große Gleichung zu lösen, und später darin, einen Ausdruck oder eine Phase des Universums einer anderen vorzuziehen. Hiervor werden wir im Buch des Gesetzes durch das Wort der Nuit gewarnt, die da spricht: „Keins […] und Zwei. Denn ich bin geteilt um der Liebe willen, zur Möglichkeit der Vereinigung“, und daher „Wenn dies nicht richtig ist; wenn ihr die Raumzeichen verkennt und sagt: Sie sind eines, oder sagt; Sie sind viele […] dann erwartet furchtbares Gericht […]“

Somit bin ich nunmehr mit der Hilfe Thoths zum Schlusse dieses kleinen Buches gelangt. Nun rüstet euch demgemäß mit den vier Waffen; mit dem Stabe für die Freiheit, mit dem Kelch für die Liebe, mit dem Schwerte für das Leben, mit der Scheibe für das Licht; und mit diesen wirket alle Wunder durch die Kunst der Hohen Magie unter dem Gesetze des neuen Aeons, dessen Wort THELEMA ist.

 

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© Ordo Templi Orientis, 1919, 1998. © Deutsche Übersetzung: Fr. Aion, 2000, 2011, 2014. Diese Epistel erschien erstmals in The Equinox, Vol. III (Detroit. Universal 1919). Die Zitate stammen aus Liber AL vel Legis, dem „Buch des Gesetzes“, und seinen Kommentaren.)

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